BRUECKENBAU

JULIAS ECKE

1.BLOCK

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Der Seele Schaffensmacht

Sie strebet aus dem Herzensgrunde

Im Menschenleben Götterkräfte

Zu rechtem Wirken zu entflammen,

sich selber zu gestalten

In Menschenliebe und im Menschenwerke.

 

Rudolf Steiner

Seelenkalender 41. Spruch


„Wäre der Mensch' bloß Geschöpf der Natur und nicht zugleich Schaffender, so stände er nicht fragend vor den Erscheinungen der Welt und suchte auch nicht ihr Wesen und ihre Gesetze zu ergründen… In ihm liegt der Trieb, zu der vorhandenen Welt noch eine aus ihm entsprungene hinzuzufügen.“

Rudolf Steiner, Egoismus in der Philosophie. GA 30.

Me vor 60 Jahren


Soweit ich zurückdenken kann, habe ich immer etwas gezeichnet, gemalt oder geschrieben. Diese Skizzen bewohnten jahrzehntelang einen großen orangefarbenen Lederkoffer und wurden vor jedem Umzug entsprechend meinem jeweiligen Geschmack und Ehrgeiz neu sortiert. Was davon bis heute am Leben geblieben ist, kommt jetzt in diesem meinem ersten Blog zum ersten Mal ans Licht. Die Skizzen erscheinen in willkürlicher Reihenfolge und haben – außer seltener Ausnahmen - keinen inhaltlichen Bezug zu den folgenden Texten. Ihre einzige Aufgabe ist es, den Blick auf den Bildschirm mit einem gewissen ästhetischen Anspruch für den Leser etwas zu differenzieren.

Was die Texte betrifft, so kann man sie allesamt als die umgestülpte Seelenhaut eines bestimmten Menschen betrachten. Sie sind die Zeugen der besinnlichen Momente, Stunden oder Tage aus verschiedenen Lebensphasen, Zeugen meiner Bemühungen, den roten Faden der eigenen Existenz auf der Erde nicht aus dem Auge zu verlieren.

FARBENREGEN
Durchdringung  Harmonisierung  Versönung

ERMAHNUNG

 

Lasst doch eure Geschäfte

für einen Augenblick ruhen!

 

Blickt durch das Fenster

des schauenden Auges.

 

Was seht ihr?

 

Kommt da nicht euer Bräutigam?

Wartet da nicht eure Braut?

Steht da für euch nicht die festliche

Mahlzeit bereit

und dampfen die heißen Gerichte?

 

Beeilt euch,

solange das Essen ist warm,

solange die Brote

sind nicht ausgetrocknet

oder verschimmelt.

Und solange der Wein

in Gefäßen

ist nicht versauert.

Solange die Braut

nicht verkümmert,

Der Bräutigam

schwachsinnig ‘worden

vor lautem

vergeblichen

Warten.

 

Lasst eure Geschäfte,

Hebt auf eure Augen!

Ob nicht die Braut?

Nicht der Bräutigam?

Ob nicht euer Leben

verzweifelt

wartet auf euch?

DER GOTTES FUNKE

Ein Gottesfunke fiel auf die Erde und wurde Lüge.
Er erblickte sich im Erdenspiegel und erschrak.
Er schämte sich, kroch tief in sich hinein und wurde still.
Tags lebte er als Lüge unter anderen Lügen, als aber die gütige Nacht mit ihrem samtenen Schleier alle Spiegel zudeckte, pflegte er heimlich sein lebendiges Wahrheits-Flämmchen, damit es nicht erlösche.
Viel Zeit verging, sehr viel, und eines Tages war es soweit: das Lügengemäuer, in dem sich der Gottes Funke darbte, brach zusammen von innen ausgebrannt, und das kleine Wahrheits-Flämmchen loderte freudig empor in das Licht der großen Wahrheits-Mutter-Flamme. Das war eine feurige Begegnung! Und das war schön.
Als das Kleine wieder zu sich kam, fragte es die Große:
-       Darf ich nun für immer bei Dir bleiben?
-       Ja und nein – raunte diese zurück. – „Ja“, weil du ja immer bei mir warst, bist und sein wirst, wir sind eins; „nein“, weil das ja nur der Anfang ist.
-       Nur der Anfang? - staunte das Kleine.
-       Das war nur noch eine Erinnerung daran, WOHER du kommst. Jetzt aber wird es darum gehen WOHIN, WOZU und WIE muss es weiter gehen?
-       Wie erkenne ich das?
-       Jetzt siehst du mich, wie ich einmal war. Ich muss aber neu geschaffen werden.
-       Wer kann Dich neu schaffen?
-       Wer das will.
-       Ich will! – das kleine Flämmchen flackerte in freudiger Erregung und streckte sich in die Höhe. – Aber ich bin doch so klein.
-       Genau, für die Lügenwelt und solange du in ihr gefangen warst. Nun bist du aber frei und stark genug, eine neue, eine Wahrheitswelt zu schaffen, wo jeder so groß werden kann wie ICH BIN.
-       Kann ich das alleine?
-       Da hast du Recht, allein kannst du das nicht. Es gibt aber in beiden Welten viele deiner Geschwister, die schon lange unterwegs zu Dir sind. Du musst sie nur aufsuchen.
-       Wie soll ich sie erkennen?
-       An dem Wahrheits-Flämmchen.
Findet euch zueinander, bringt eure Liebes-Flämmchen zusammen, pflanzt sie in das Herz der alten Mutter-Erde und lasst sie erwachsen zu einer neuen Wahrheits-Sonne, vor der die kalte Lügenwelt nicht mehr bestehen kann. Da findet ihr mich mitten unter euch wieder. Und wir schaffen zusammen den neuen Himmel und die neue Erde.
-    ICH WILL DAS TUN.
Made on
Tilda